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VON MITTERKIRCHEN NACH SAXEN - Das Donaukraftwerk Wallsee-Mitterkirchen

Am 24.1.1918 berichtete das „Linzer Volksblatt“ dem staunenden Leserpublikum von einem Kraftwerkprojekt an der Donau. Der Strom sollte zwischen Mauthausen und Dornach auf einer Strecke von 30 Kilometern umgeleitet und etwa 800 Meter nördlich der kleinen Machlandgemeinde Mitterkirchen ein Kraftwerk gebaut werden. Der Zusammenbruch der Monarchie ließ die Pläne für diese „größte Kraftanlage Europas“ vorerst in den Schreibtischladen verschwinden.

 

Knapp 50 Jahre später dröhnten dann tatsächlich Baumaschinen in den Auwäldern nahe Mitterkirchen. Nach Ybbs-Persenbeug und Aschach sollte hier das dritte Donaukraftwerk entstehen. Erstmals in Trockenbauweise, das heißt, das Kraftwerk wurde neben dem Fluss errichtet und dieser nach Fertigstellung der Anlage umgeleitet.

Vierzehn österreichische Baufirmen bildeten die ARGE DONAUKRAFTWERK, die sich während der gesamten Bauzeit von 1965 bis 1968 durch zuverlässige Arbeit und Terminpünktlichkeit auszeichnen sollte. Gleich zu Beginn bremsten Hochwässer die Baggerungen. Ein weiteres Problem stellte die Unterbringung von insgesamt dreitausend Arbeitsplätzen dar. Bis zur Fertigstellung einer Werkssiedlung mussten Schulen, Garagen und Tanzsäle als Notunterkünfte herhalten, kaum ein Haushalt, der nicht einen „DOKWler“ einquartiert hatte. Die Wirte rieben sich die Hände, das Mitterkirchner Kino spielte nun auch während der Woche und die Telefonverbindungen besserten sich schlagartig. „Venedig hab´ ich schon in zwanzig Minuten herinnengehabt“!, strahlte damals das „Fräulein am Amt“.

 

Allein an Lohnsummensteuer flossen 200.000 S pro Monat ins Gemeindesäckl und nachdem die Kraftwerksanlage zur Gänze auf Mitterkirchner Gemeindegebiet liegt, verdiente die Gemeinde auch an der Gewerbesteuer kräftig mit. 
 


 

Diese Tatsache und die Aussicht, sich die Grundfläche zwischen Altarm und nördlich gelegenem, neuem Flussbetts anzueignen, bewog die niederösterreichische Nachbargemeinde Wallsee, eine Grenzverlegung zu beantragen. Die Oberösterreicher blieben jedoch hart und so bildet heute nicht die Donau, sondern der etwas weiter südlich gelegene Altarm die Landesgrenze. Bei den Baggerarbeiten für Staubecken und Rückstauraum wurden insgesamt 10 Millionen Kubikmeter Erde und Kies, sowie 1,1 Millionen Kubikmeter Schlier bewegt. Das Staubecken selbst ist seitlich und an der Sohle mit Spundwänden abgedichtet. Der 24 Kilometer lange, bis Mauthausen reichende Rückstauraum ist beiderseits mit Granitblöcken eingesäumt – genug um damit eine Fläche von der Größe des Vatikanstaates unter einem 7 Meter mächtigen Blockmantel zu begraben. Flussbegleitende Überströmstrecken dienen zum Ausgleich von Hochwasserwellen. Immer wieder verzögerten Hochwässer die Bauarbeiten. Eine eigens dafür gebaute Stelzenstraße sollte Arbeiter und PKWs trockenen Fußes vom Wohnlager zur Baustelle bringen.

 

Am 29.3.1968 wurde das Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen nach nur dreijähriger Bauzeit, bei einem Gesamtkostenaufwand von 3,1 Milliarden Schilling in einem feierlichen Festakt eröffnet. Nur die Störche waren nicht mehr dabei. Der Baulärm hat sie ein für allemal aus der Gegend um Mitterkirchen vertrieben.

       





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