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VON GREIN NACH DORNACH - Steinbrecher im Strudengau

Beim Anblick der Mühlviertler Landschaft drängt sich manchmal der Vergleich mit einem löchrigen Sack voller Steine auf. Nur notdürftig kann die karge Bodenschicht verhüllen, was darunter steckt. „Steine gab´s und wenig Brot!“ – die Bauern können ein Lied davon singen. Mancherorts ist der „Sack“ künstlich aufgerissen und der Mensch nimmt sich, was die Natur in Hülle und Fülle zu bieten hat: Steine.

 

Heute sind längst Gras und Baum über viele Brüche gewachsen, die von der Bautätigkeit der Vorfahren zeugen. Allein die riesigen Granitquader, die hie und da aus dem Grün des Waldes ragen, perfekt zu Mauern und Türmen gefügt, bezeugen: schon im Mittelalter wusste man mit dem Stein umzugehen. Im „Josephinischen Lagebuch“ von 1765 sind erste schriftliche Hinweise auf Steinbrüche im Bezirk Perg zu finden. In Hirschenau an der Donau (Gemeinde St. Nikola) soll damals ein gewisser Jakob Enengl Granit gebrochen haben. Noch heute wird dort Schotter abgebaut. Einer Familie Enengl gehörten damals auch die Brüche im Naarntal unweit von Perg. Weinsberger Granit, wegen seiner großen Feldspatkristalle auch „Speckwurstgranit“ genannt, wird dort heute noch abgebaut.

 

1876 gingen die Brüche in den Besitz Anton Poschachers über, ein Name, der untrennbar mit der oberösterreichischen Steinindustrie verbunden ist. Die Bauwirtschaft hatte zu jener Zeit Hochkonjunktur. 1862 baute man am neuen Linzer Dom, 1863 an der Wiener Oper und ein Jahr später an der Wiener Ringstraße. Durch die Eingemeindung der Wiener Vororte wurden Unmengen von Pflastersteinen benötigt. „Favorit“ bei all diesen Bauvorhaben war der „Blaue“, der feinkörnige, kompakte Mauthausener Granit.  Neue Steinbrüche, die heute längst aufgelassen sind, entstanden, um den Bedarf zu decken: in Dornach begann Anton Schlepitzka mit dem Granitabbau, in Bad Kreuzen der Wiener Ludwig Böck und in Gloxwald (bei Waldhausen) war es Leopold Strasser.

 

Das Unternehmen Poschacher umfasste damals etwa 40 Brüche. Betriebseigene Zillen transportierten Steine nach Wien, Pressburg und Budapest. 1893 waren 1859 Beschäftigte in den Personallisten eingetragen: Beamte, Maschinisten, Aufseher, Schmiede, Ritzer, Ausmacher, Taglöhner, Steinmetze, Lehrbuben, Zimmerleute, Knechte, Schiffer, Schleifer, Eisenbahner und Schiffsverlader. Seither hat sich vieles geändert. Die Arbeit im Steinbruch ist anders geworden, obwohl der alte Steinhauerspruch „der Stoa is rauh und rauh is unser Leben!“ auch heute noch seine Gültigkeit hat.

 

In automatischen „Säge- und Frässtraßen“ können Blöcke bis zu 25 t Gewicht zu Platten geschnitten, geschliffen und poliert werden. Bei der Herstellung von Formen und Schablonen werden EDV-Programme eingesetzt. Wo früher riesige Granitblöcke in Handarbeit mittels Eisenkeilen „zersetzt“ wurden,  dröhnen heute Bohrbagger. Und wo einst die zugigen Baracken standen, in denen die „Würfelritzer“ und „Ausmacher“ Pflastersteine meißelten, arbeiten heute hydraulische Steinspaltanlagen.

       





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