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Wasserstraßen statt Landstraßen

Sie gehören zum alltäglichen Bild für die Bewohner des Strudengaus: die schwer mit mächtigen Holzstämmen beladenen Lastwägen. Die Gegend hier ist immer noch reich an Holz. Obwohl es früher keine Lastwägen gab, wurde, vor allem als in Wien zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Holznot drohte und die riesigen Wälder genutzt werden mussten, das Holz an die Donau gebracht. Ein ausgeklügeltes System wurde dafür entwickelt. Kaum vorstellbar, dass es sich dabei um den Transport über Wasserstraßen handelte, denn auf den ersten Blick sind keine dazu geeigneten Flüsse zu sehen. Aber trotzdem: 25.000 bis 30.000 Festmeter Holz wurden auf den jetzt sich sanft dahinschlängelnden Bächen talwärts bewegt.

 

Auf der Naarn, deren Quellgebiete in der großen Waldregion liegen, ist früher die wohl bedeutsamste Holzschwemme durchgeführt worden. An den Oberläufen der Bäche, die in die Naarn münden, nahm die „Holzreise“ ihren Anfang. Man legte so genannte Schwemmteiche an, wie den Rubener Teich bei Liebenau, den großen und kleinen Klausteich bei St. Georgen am Walde, in denen sich das Wasser für die Holztrift sammelte. War es dann im Frühjahr soweit, wurden die Ausläufe der Teiche geöffnet, um die Bäche mit Wasser zu speisen. Die Flutwelle, die dadurch entstand, riss die ca. 1m langen Scheiter mit ins Tal. Entlang der Bäche waren sie während des Winters für die Schwemme gestapelt worden. Männer und Frauen, die sich hier aufgestellt hatten, hatten nun alle Hände voll zu tun, den Transport so reibungslos wie möglich zu gestalten. Da mussten die „Holzbrücken“ – so wurden Holzstaus genannt – weggeräumt und in Kurven und Engstellen die Scheiter weitergeschoben werden.

 

Scheiter in der  Naarn

 

Und so trieb das Holz bis an die Rechen (Holzsperren) von Perg und Mitterkirchen, wo es aufgefangen und herausgeholt wurde.

 

Endstation

Hier in Mitterkirchen am Schwemmplatz war dann vorerst Endstation für das Holz. Aufgefangen durch einen großen Rechen bei Labing, stauten sich hier die Scheiter im Naarn-Kanal oft 1-2 km zurück und warteten auf die Weiterverarbeitung. Über die Zeit der Holzschwemme erzählt Herr Riesenberger aus Mitterkirchen: “Von den Menschen, die damals hier am Schwemmplatz gearbeitet haben, lebt keiner mehr. Ich selbst bin als kleiner Bub auf den Wägen hinunter zur Donau mitgefahren und kann mich noch an vieles gut erinnern.“ Aufregend seien die Wochen im Frühjahr gewesen, da viel los war an Naarn und Donau. Ungefähr 150 Leute hätten beim Schwemmplatz gearbeitet, um das Holz „auszuspießen“, d.h. aus dem Wasser holen. Mit Schubkarren wurden die Scheiter zu den Stapelarbeitern gebracht, die sie dann zu großen Stößen, sogenannten "Kasten", aufbauten. So wurde das Holz bis zum Abtransport zwischengelagert. Von da waren es nur noch wenige Kilometer zur Donau.

 

Scheiterspießen in der Kaindlau 

 

„Hinunter zur Donau fahren war schon eine lustige Sache. Wir taten dies mit der drei km langen Pferdeeisenbahn. Die hatte man gebaut, um den Transport zum großen Fluss zu erleichtern. Das ganze Jahr über fuhr sie, und 4-5 Leute waren für die Ladearbeiten beschäftigt“ berichtet Herr Riesenberger. Auf große Boote verladen, traten die Scheiter schließlich ihre letzte Reise – die nach Wien – an. Da fällt noch etwas auf: auf den Bilder, die es von der Holzschwemme gibt, sind viele Frauen zu sehen. Herr Riesenberger meint dazu: „Ja, viele Frauen haben beim Holzschwemmen mitgearbeitet. Auch meine Frau war dabei. Sie bekamen allerdings weniger bezahlt als die Männer“ – auch bei gleicher Arbeit. Und wenn heute ein Sturm, wie etwa der von 1990, große Waldschäden anrichtet, tritt der alte Schwemmplatz wieder in Funktion – als Holzlagerplatz.

       





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